GR221 Mallorca selfguided – unser Wanderabenteuer durch die Serra de Tramuntana

Mallorca kannten wir alle vier bereits. Allerdings eher von früheren Urlauben mit Strand, Mietwagen, kleinen Buchten und dem einen oder anderen Ausflug ins Inselinnere. Dieses Mal wollten wir Mallorca anders erleben. Zu Fuß, mit dem Rucksack auf dem Rücken und möglichst unabhängig. Als wir auf die selfguided Wanderung auf dem GR221 aufmerksam wurden, war deshalb relativ schnell klar: Das könnte genau unsere Tour sein.
Wir waren zu viert unterwegs und hatten die komplette Route über Alpintrekker Wanderreisen gebucht. Der große Unterschied zu einer geführten Reise war für uns, dass wir tagsüber völlig unter uns waren. Keine feste Gruppe, kein Wanderführer, kein vorgegebenes Tempo. Die Unterkünfte und die organisatorischen Dinge waren vorbereitet, die Route hatten wir dabei, aber unterwegs mussten und durften wir selbst entscheiden. Genau diese Mischung gefiel uns.
Einen Gepäcktransport hatten wir bewusst nicht. Alles, was wir für die kommenden Tage brauchten, kam in den Rucksack. Anfangs war das durchaus gewöhnungsbedürftig. Beim ersten Packen in Port d’Andratx wurde noch diskutiert, ob man dieses oder jenes wirklich braucht. Spätestens nach den ersten Kilometern beantwortet sich diese Frage meistens von selbst. Man lernt auf einer solchen Wanderung ziemlich schnell, wie wenig man eigentlich benötigt.
Von Port d’Andratx hinein in ein anderes Mallorca
Unsere Reise begann in Port d’Andratx. Noch saßen wir am Hafen, tranken etwas und schauten auf die Boote. Dass wir in den nächsten Tagen Mallorca einmal zu Fuß durchqueren würden, fühlte sich in diesem Moment noch etwas unwirklich an. Am nächsten Morgen standen dann die gepackten Rucksäcke bereit und aus dem Urlaub wurde eine richtige Trekkingtour.
Die erste Wanderung nach Sant Elm war ein idealer Einstieg. Das Wetter spielte vom ersten Tag an mit. Blauer Himmel, gute Sicht und dieses intensive Licht, das die Landschaft Mallorcas besonders morgens und am späten Nachmittag so eindrucksvoll wirken lässt. Schon unterwegs Richtung Sant Elm bekamen wir einen ersten Eindruck davon, weshalb der GR221 einen so besonderen Ruf genießt.
Immer wieder blickten wir hinunter zum Meer. Vor Sant Elm rückte Sa Dragonera ins Blickfeld und spätestens dort war bei uns allen der Alltag endgültig verschwunden. Wir waren angekommen – nicht nur auf Mallorca, sondern auch in unserem eigenen Wanderrhythmus.
Am nächsten Morgen ging es weiter in Richtung Finca Ses Fontanelles. Die Umgebung wurde zunehmend ruhiger und ursprünglicher. Pinien, Felsen, alte Mauern und dazwischen immer wieder der Blick auf das Meer. Gerade diese Mischung sollte uns auf der gesamten Wanderung begleiten.
Wir merkten aber auch, dass eine selfguided Tour etwas anderes ist als eine normale Urlaubswanderung. Man schaut selbst auf die Route, achtet auf Abzweigungen, beobachtet das Wetter und teilt sich seine Kräfte ein. Zu viert funktionierte das hervorragend. Einer hatte meistens die Navigation im Blick, während die anderen drei spätestens an der nächsten Kreuzung ebenfalls eine Meinung dazu hatten. Ganz ohne Diskussionen geht es schließlich auch beim selfguided Wandern nicht.
Estellencs, Banyalbufar und die alten Wege der Tramuntana
Auf dem weiteren Weg nach Estellencs zeigte sich die Serra de Tramuntana von einer ihrer schönsten Seiten. Alte Pfade zogen sich durch die Landschaft, dazwischen Olivenbäume, Trockensteinmauern und immer wieder Abschnitte, auf denen wir längere Zeit niemandem begegneten.
Genau das hatten wir gesucht.
Mallorca fühlte sich plötzlich vollkommen anders an. Keine großen Hotelanlagen, kein Strandbetrieb und kein Verkehr. Stattdessen hörten wir unsere Schritte auf den Steinen, den Wind in den Bäumen und gelegentlich irgendwo Schafe oder Ziegen. Manchmal blieben wir einfach stehen, ohne dass es dafür einen besonderen Grund gab.
Von Estellencs führte unsere Wanderung weiter über Banyalbufar Richtung Esporles. Besonders die alten Terrassen rund um Banyalbufar sind uns in Erinnerung geblieben. Die Landschaft zeigt hier sehr deutlich, wie stark sie über Generationen von den Menschen geprägt wurde. Gleichzeitig liegt unterhalb dieser Kulturlandschaft das tiefblaue Mittelmeer.
Natürlich bestand unsere Reise nicht ausschließlich aus großen Naturmomenten. Es gab auch die ganz normalen Dinge einer mehrtägigen Wanderung: schwere Beine am Abend, die Suche nach dem besten Platz für die verschwitzten Sachen, Diskussionen über die morgendliche Startzeit und die Erkenntnis, dass ein kaltes Getränk nach mehreren Stunden Wandern erstaunlich gut schmecken kann.
Gerade das machte die Tour für uns aber so angenehm menschlich.
Selfguided wandern heißt, den eigenen Rhythmus zu finden
Mit jedem Wandertag wurden unsere Abläufe selbstverständlicher. Morgens frühstücken, Rucksack packen, Wasser kontrollieren, Route aufrufen und losgehen. Wir mussten niemandem hinterherlaufen und niemand musste auf uns warten.
Wenn wir eine Pause machen wollten, machten wir eine. Wenn uns ein Aussichtspunkt gefiel, blieben wir eben länger dort. Und wenn wir morgens Lust hatten, früh aufzubrechen, waren wir schon unterwegs, bevor der Tag richtig begonnen hatte.
Auf dem Abschnitt Richtung Valldemossa veränderte sich die Landschaft erneut. Schattige Steineichenwälder wechselten sich mit offenen Passagen und alten Steinwegen ab. Valldemossa selbst war dann fast ein kleiner Kulturschock. Nach Stunden in der ruhigen Bergwelt standen wir plötzlich wieder zwischen Cafés, Gassen und Besuchern.
Wir genossen es trotzdem. Kaffee trinken, etwas essen, Menschen beobachten – und danach wieder weiter.
Auch Deià beeindruckte uns. Der Ort liegt wunderschön zwischen Bergen und Meer und passte perfekt in diese Wanderreise. Trotzdem waren für uns nicht unbedingt die bekannten Orte die größten Höhepunkte. Oft waren es die unscheinbaren Momente dazwischen: eine kleine Pause unter einem Olivenbaum, ein einsamer Wegabschnitt oder ein Platz mit Aussicht, an dem wir unsere Brotzeit auspackten und einfach eine halbe Stunde sitzen blieben.
Über Deià und Sóller ins Herz der Serra de Tramuntana
Die Wanderung von Deià nach Sóller gehört für uns zu den Etappen, die besonders gut zeigen, wie abwechslungsreich der GR221 auf Mallorca ist. Historische Wege, Olivenhaine, Fincas, Wälder und immer wieder diese Verbindung zwischen Bergen und Mittelmeer.
In Sóller gönnten wir uns etwas mehr Zeit. Nach mehreren Tagen mit dem Rucksack fühlte sich das lebendige Städtchen fast schon groß an. Wir saßen auf der Plaza, bestellten Kaffee und beobachteten die historische Straßenbahn. Ein ganz normaler Nachmittag eigentlich – und trotzdem einer dieser Momente, an die man sich später gerne erinnert.
Am nächsten Morgen wurde es wieder deutlich alpiner.
Die Etappe in Richtung Tossals Verds führte uns tiefer hinein in die Bergwelt der Tramuntana. Auch die Beine bekamen jetzt ordentlich Arbeit. Der Rucksack war inzwischen zwar etwas leichter geworden, aber natürlich spürten wir die vergangenen Wandertage.
Der Cúber-Stausee bildete einen starken Kontrast zur kargen Berglandschaft ringsherum. Wir machten dort eine längere Pause, Schuhe kurz aus, Essen raus und einfach sitzen.
Danach ging es weiter zum Refugi Tossals Verds.
Die einfachen Refugis gehörten für uns unbedingt zu dieser Reise dazu. Natürlich darf man hier keinen Hotelkomfort erwarten. Aber genau darum ging es uns auch nicht. Nach einem langen Wandertag braucht es erstaunlich wenig, um zufrieden zu sein: etwas zu essen, eine Dusche, einen Platz zum Schlafen und Menschen, mit denen man über den vergangenen Tag lachen kann.
Zu Fuß nach Lluc – und langsam Richtung Ziel
Die folgenden Kilometer nach Lluc zeigten noch einmal die wilde Seite der Serra de Tramuntana. Felsen, Wälder, alte Wege und dazwischen immer wieder Ausblicke auf die umliegenden Berge. Wir waren inzwischen ein richtig eingespieltes Viererteam.
Auch das Wandern mit dem gesamten Gepäck fühlte sich mittlerweile normal an. Was am zweiten Tag noch schwer erschien, gehörte jetzt einfach dazu. Gleichzeitig entstand dieses typische Gefühl einer längeren Trekkingtour: Der Tagesablauf wird einfacher. Man denkt weniger über Termine und Verpflichtungen nach und mehr darüber, wie weit es noch bis zur nächsten Pause ist, ob genug Wasser im Rucksack steckt und was es am Abend zu essen gibt.
Lluc war für uns noch einmal ein besonderer Zwischenstopp. Nach den vielen Stunden draußen wirkte die Atmosphäre rund um das Kloster fast ein wenig feierlich. Gleichzeitig wussten wir, dass nur noch die letzte große Wanderetappe vor uns lag.
Das war ein seltsames Gefühl.
Am Anfang hatten wir noch darüber gesprochen, wie viele Tage vor uns lagen. Nun wollten wir plötzlich nicht, dass die Tour schon vorbei war.
Die letzten Kilometer nach Pollença
Auf der letzten Etappe Richtung Pollença ließen wir es bewusst etwas ruhiger angehen. Niemand wollte einen Rekord aufstellen. Wir wollten diesen letzten Wandertag genießen.
Noch einmal ging es durch Wälder und über alte Wege. Hinter uns lagen inzwischen viele gemeinsame Kilometer, zahlreiche Pausen, einige kleinere Orientierungsgespräche, müde Beine und unzählige Eindrücke.
Als wir schließlich Pollença erreichten, waren wir natürlich froh, angekommen zu sein. Gleichzeitig war da dieses Gefühl, das wahrscheinlich viele kennen, die mehrere Tage am Stück unterwegs gewesen sind: Eigentlich könnte man morgen einfach weiterlaufen.
Wir setzten uns zusammen, bestellten Getränke und stießen auf unsere Tour an. Keine große Inszenierung, kein dramatischer Zieleinlauf. Vier ziemlich zufriedene Menschen mit staubigen Wanderschuhen und Rucksäcken neben dem Tisch.
Und genau so passte es.
Unser Fazit zum GR221 Mallorca selfguided
Unsere selfguided Wanderung auf dem GR221 war für uns eine der intensivsten Möglichkeiten, Mallorca kennenzulernen. Nicht, weil jeden Tag etwas Spektakuläres passieren musste, sondern weil wir fast zwei Wochen lang draußen unterwegs waren und die Insel Schritt für Schritt erlebt haben.
Besonders gefallen hat uns die Kombination aus Freiheit und Vorbereitung. Die organisatorischen Grundlagen standen, unterwegs waren wir jedoch selbst verantwortlich. Wir konnten unser Tempo wählen, unsere Pausen selbst bestimmen und den Tag so gestalten, wie es für uns vier passte.
Dass wir ohne Gepäcktransport unterwegs waren, würden wir genauso wieder machen. Natürlich ist ein Rucksack über mehrere Tage eine zusätzliche Belastung und man sollte vorher überlegen, was wirklich hineingehört. Für uns gehörte aber genau das zum Charakter dieser Wanderung. Alles dabeizuhaben, was man benötigt, vermittelt eine besondere Form von Unabhängigkeit.
Auch landschaftlich hat uns der GR221 überrascht. Die Serra de Tramuntana ist nicht einfach nur eine Berglandschaft auf einer Ferieninsel. Steineichenwälder, schroffe Felsen, jahrhundertealte Trockensteinwege, Oliventerrassen, kleine Dörfer und die ständige Nähe zum Mittelmeer geben dieser Route ihren eigenen Charakter.
Und natürlich hatten wir mit dem Wetter großes Glück. Sonnige Tage und klare Sicht machten unsere Wanderung zusätzlich besonders. Trotzdem waren es am Ende gar nicht nur die großen Panoramen, die geblieben sind.
Es waren die vielen kleinen Situationen: der erste Kaffee am Morgen, das gemeinsame Packen, ein falscher Abzweig, über den wir später lachen konnten, eine Pause mit Blick aufs Meer, müde Beine am Abend und das gute Gefühl, am nächsten Morgen den Rucksack wieder aufzusetzen.
Mallorca hatten wir vorher schon gekannt.
Nach dem GR221 hatten wir allerdings das Gefühl, eine ganz andere Insel kennengelernt zu haben.
Vielen Dank für die tolle Organisation und diese unvergessliche Zeit auf Mallorca!
Anna, Thomas, Sabine & Michael
