Höhenangst überwinden – meine Erfahrungen Intensiv-Training

Ich wandere schon seit vielen Jahren gerne in den Bergen. Die Bewegung, die Landschaft und dieses besondere Gefühl, draußen unterwegs zu sein, haben mir immer viel bedeutet. Gleichzeitig hat sich bei mir über die Jahre eine immer stärkere Unsicherheit in der Höhe entwickelt. Schmale Bergwege, steilere Hänge oder Stellen mit Tiefblick wurden zunehmend zu Situationen, vor denen ich bereits im Vorfeld Respekt hatte. Manchmal reichte schon der Gedanke an eine bestimmte Passage, damit ich mich fragte, ob ich sie überhaupt schaffen würde.
Genau das hat mich irgendwann gestört. Nicht, weil ich unbedingt besonders schwierige Bergtouren machen wollte, sondern weil ich wieder selbst entscheiden wollte, welche Wanderungen ich mir zutraue. Ich wollte nicht ständig das Gefühl haben, dass meine Höhenangst für mich entscheidet. Deshalb habe ich mich für das Höhenangst Intensiv-Einzeltraining bei Alpintrekker im Allgäu entschieden.
Rückblickend war für mich bereits der erste Trainingstag wichtig. Bevor es überhaupt darum ging, sich einer schwierigen Situation am Berg zu stellen, beschäftigten wir uns sehr ausführlich damit, was bei Höhenangst eigentlich passiert. Wir haben meine persönlichen Situationen und Reaktionen analysiert und herausgearbeitet, wann meine Unsicherheit besonders stark wird. Dabei wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, wie früh meine Anspannung eigentlich beginnt. Oft war ich körperlich schon angespannt, bevor eine schwierige Stelle überhaupt erreicht war.
Besonders hilfreich fand ich, dass mir nicht vermittelt wurde, meine Angst einfach ignorieren oder mich irgendwie „zusammenreißen“ zu müssen. Stattdessen lernte ich verschiedene Werkzeuge kennen, mit denen ich meine Reaktion bewusst beeinflussen kann. Vor allem die Atemübungen haben bei mir erstaunlich gut funktioniert. Wenn ich heute merke, dass die Anspannung zunimmt, konzentriere ich mich bewusst auf meine Atmung. Dadurch habe ich etwas Konkretes, das ich tun kann, anstatt mich ausschließlich auf die Höhe oder den Tiefblick zu konzentrieren.
Mindestens genauso wichtig waren für mich die Übungen zur Körperhaltung. Vor dem Training hätte ich wahrscheinlich nicht gedacht, dass meine Haltung einen so großen Einfluss darauf hat, wie sicher oder unsicher ich mich fühle. Unter Anspannung wurde mein Körper automatisch steifer, mein Blick veränderte sich und meine Bewegungen wurden vorsichtiger und gleichzeitig unruhiger. Im Training lernte ich, wieder bewusster zu stehen und zu gehen, meine Haltung wahrzunehmen und meinen Blick gezielter einzusetzen.
Am zweiten Tag ging es dann weiter in die Berge. Natürlich war ich angespannt. Schließlich wusste ich, dass nun genau die Situationen kommen würden, die mir sonst Schwierigkeiten bereiten. Gleichzeitig hatte ich aber zum ersten Mal das Gefühl, nicht völlig unvorbereitet in diese Situationen hineinzugehen. Ich hatte meine Übungen und Strategien dabei und wusste, dass wir Schritt für Schritt vorgehen würden.
Für mich war das wahrscheinlich die wichtigste Erfahrung des gesamten Höhenangst-Trainings: Ich musste nichts beweisen. Es ging nicht darum, möglichst schnell oder möglichst weit zu kommen. Entscheidend war vielmehr, wahrzunehmen, was gerade mit mir passiert, und dann die erlernten Techniken anzuwenden.
An einigen Stellen merkte ich deutlich, wie meine alte Reaktion wieder einsetzte. Der Blick ging in die Tiefe, die Anspannung stieg und sofort war dieser Gedanke da: „Das schaffe ich nicht.“ Anstatt mich davon überwältigen zu lassen, blieb ich stehen, konzentrierte mich auf meine Atmung und korrigierte bewusst meine Haltung. Danach ging ich weiter. Nicht plötzlich völlig angstfrei, aber kontrollierter und wesentlich ruhiger.
Genau darin lag für mich der Unterschied.
Ich habe während dieser beiden Tage nicht gelernt, keine Angst mehr zu haben. Ich habe gelernt, anders mit ihr umzugehen. Und das fühlt sich für mich wesentlich realistischer und nachhaltiger an.
Besonders eindrücklich war ein Moment während der praktischen Einheit, als ich nach einer für mich anspruchsvolleren Passage stehen blieb und feststellte, dass ich sie tatsächlich geschafft hatte. Normalerweise hätte ich mich wahrscheinlich nur darauf konzentriert, möglichst schnell aus dieser Situation herauszukommen. Dieses Mal konnte ich stehen bleiben, zurückblicken und den Moment sogar genießen. Das war für mich ein kleines, aber sehr wichtiges Erfolgserlebnis.
Auch die anschließende Reflexion hat mir geholfen. Im Gespräch wurde noch einmal deutlich, an welchen Stellen ich anders reagiert hatte als früher und welche Übungen bei mir besonders gut funktionieren. Dadurch bin ich nicht mit dem Gefühl nach Hause gefahren, zwei gute Trainingstage erlebt zu haben und nun wieder auf mich allein gestellt zu sein. Vielmehr hatte ich konkrete Werkzeuge und eine Vorstellung davon, wie ich selbstständig weiterüben kann.
Seit dem Training bin ich inzwischen wieder mehrfach wandern gewesen. Natürlich gibt es nach wie vor Situationen, in denen ich Respekt vor der Höhe habe. Ich merke aber einen deutlichen Unterschied. Ich beobachte meine Reaktion früher und kann dadurch auch früher gegensteuern. Vor allem Atemtechnik, Körperhaltung und ein bewusster Umgang mit meinem Blick helfen mir dabei.
Das Schönste daran ist für mich, dass ich mich am Berg wieder freier fühle. Ich überlege nicht mehr bei jeder Tour zuerst, welche Stelle möglicherweise problematisch werden könnte. Ich traue mir wieder mehr zu und habe gleichzeitig gelernt, meine Grenzen vernünftig wahrzunehmen. Für mich bedeutet Fortschritt deshalb nicht, plötzlich jeden ausgesetzten Bergweg gehen zu können. Fortschritt bedeutet, wieder mehr Möglichkeiten zu haben.
Das Höhenangsttraining bei Stefan war für mich deshalb weit mehr als zwei Tage Training. Es hat mir gezeigt, dass Höhenangst kein Zustand sein muss, dem ich einfach ausgeliefert bin. Ich kann selbst etwas tun, ich kann üben und ich kann Schritt für Schritt neue Erfahrungen sammeln.
Heute gehe ich anders in die Berge als vorher. Aufmerksamer, bewusster und gleichzeitig entspannter. Es gibt noch Situationen, an denen ich weiterarbeiten möchte, und genau das werde ich tun. Aber inzwischen überwiegt wieder etwas, das mir lange gefehlt hat: die Freude darauf, unterwegs zu sein.
Und vielleicht ist genau das mein größter persönlicher Erfolg aus diesem Training: Die Berge fühlen sich für mich wieder ein Stück größer an – und meine Höhenangst ein Stück kleiner.
Vielen herzlichen Dank für deine Begleitung und das Training im Berg Liebe Grüße Dagmar


