Allein auf dem GR221 – meine Wanderung durch Mallorcas Tramuntana

Mallorca kannte ich bisher vor allem als Urlaubsinsel mit Stränden, kleinen Buchten und viel Trubel. Dass sich nur wenige Kilometer davon entfernt eine so ursprüngliche Bergwelt verbirgt, hätte ich nicht erwartet. Genau deshalb wollte ich den GR221 auf Mallorca einmal ganz anders erleben: zu Fuß, allein und in meinem eigenen Tempo.
Meine Reise begann in Port d’Andratx. Schon auf der ersten Wanderetappe Richtung Sant Elm hatte ich das Gefühl, eine völlig andere Seite der Insel kennenzulernen. Das Meer war dabei immer wieder mein Begleiter und der Blick hinüber zur Insel Sa Dragonera war für mich eines der ersten Highlights. Spätestens hier war die anfängliche Unsicherheit, allein unterwegs zu sein, fast verschwunden.
Mit jedem Tag wurde die Landschaft ursprünglicher. Alte Steinwege, Trockenmauern, Olivenbäume, Pinien und immer wieder dieser Blick auf das tiefblaue Mittelmeer – genau diese Mischung macht den GR221 für mich so besonders. Manche Abschnitte waren ruhig und fast menschenleer. Gerade als Alleinreisende habe ich diese Momente sehr intensiv wahrgenommen. Ich musste mich nach niemandem richten, konnte stehen bleiben, fotografieren oder einfach eine Pause machen, wenn mir danach war.
Besonders schön fand ich die Strecke über Estellencs und Banyalbufar. Die kleinen Orte zwischen Bergen und Meer wirkten auf mich viel ursprünglicher als das Mallorca, das ich von früheren Reisen kannte. Auch Valldemossa und Deià waren besondere Stationen. Nach mehreren Stunden auf den Wanderwegen plötzlich durch die engen Gassen dieser Orte zu laufen, irgendwo einen Kaffee zu trinken und anschließend wieder den Rucksack aufzusetzen, gehörte für mich einfach dazu.
Ein weiterer Höhepunkt meiner GR221-Wanderung war Sóller. Nach den ruhigen Tagen in der Serra de Tramuntana tat es richtig gut, auf der Plaza zu sitzen und das Leben um mich herum zu beobachten. Gleichzeitig wusste ich, dass mit dem Weg Richtung Tossals Verds noch einmal ein ganz anderer Abschnitt vor mir lag.
Und tatsächlich: Je weiter ich ins Herz der Tramuntana kam, desto wilder fühlte sich Mallorca an. Der Cúber-Stausee, die felsigen Berge und die Übernachtung in der abgelegenen Umgebung von Tossals Verds gehören zu den Bildern, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Hier hatte ich endgültig vergessen, dass ich auf einer Insel unterwegs war, die jedes Jahr Millionen Menschen besuchen. Es fühlte sich eher nach einer kleinen Trekkingreise durch eine eigene Bergwelt an.
Auch die Etappe nach Lluc und die besondere Atmosphäre rund um das Kloster haben mich beeindruckt. Als ich schließlich auf meiner letzten Wanderetappe Richtung Pollença unterwegs war, mischte sich die Freude über das Geschaffte schon mit etwas Wehmut. Nach so vielen Tagen entwickelt man seinen eigenen Rhythmus: morgens Rucksack aufschnallen, Route anschauen und losgehen. Plötzlich sollte genau das vorbei sein.
Für mich war die Entscheidung, den GR221 auf Mallorca selfguided und allein zu wandern, genau richtig. Ich hatte die Freiheit einer individuellen Wanderreise und gleichzeitig das beruhigende Gefühl, dass Unterkünfte, Reiseunterlagen und die wichtigen organisatorischen Dinge vorbereitet waren. Gerade wenn man allein unterwegs ist, empfand ich diese Kombination als sehr angenehm.
Was mir am Ende am meisten geblieben ist, sind nicht einzelne Kilometer oder Höhenmeter. Es sind die stillen Momente unterwegs: der erste Blick am Morgen in die Berge, das Geräusch der Schritte auf den alten Steinwegen, eine Pause unter Olivenbäumen und immer wieder das Meer zwischen den Bergen.
Der GR221 hat mir ein Mallorca gezeigt, das ich so vorher nicht kannte. Ursprünglicher, ruhiger und deutlich bergiger als erwartet. Und vielleicht war gerade das Alleinreisen das Schönste daran: Ich war zwar alleine unterwegs, habe mich aber eigentlich nie allein gefühlt.
Vielen Dank für eure tolle Organisation und für eine Wanderreise, an die ich mich noch lange erinnern werde.
Herzliche Grüße
Lisa
